Eine Sache, die in vielen Haushalten auf dem Frühstückstisch nicht fehlen darf, ist Kuhmilch. Auch in Cafés, Bäckereien oder Restaurants ist sie nicht weg zu denken. Da ist es kein Wunder, dass wir 2018 auf einen Milchkonsum von 50,6 Kilo pro Kopf gekommen sind. Wenn wir die verarbeiteten Milchprodukte wie Joghurt, Butter, Sahne und Co. dazurechnen, kommen wir auf einen Jahreskonsum von ca. 86 Kilo pro Kopf. 

Aber warum ist dieser Konsum kritisch

Die Kuh hinter der Milch 

Die idyllischen Bilder mit den zufriedenen Kühen und den saftig grünen Weiden, die auf den Verpackungen zu sehen sind, täuschen uns was vor. In Wahrheit steckt hinter der Milchproduktion ein knallhartes Geschäft. In Deutschland werden 4,1 Millionen Milchkühe gehalten, die 33,2 Millionen Tonnen Milch im Jahr erzeugen (Stand: Mai 2019). Bei dieser hohen Anzahl an Kühen liegt es nahe, dass Tiere in der konventionellen Industrie unter Massentierhaltung leiden müssen. Die Bedürfnisse nach Bewegung, Licht, Luft und Fellpflege werden erheblich eingeschränkt. Hinzu kommt die Viehzucht. Die Milchkühe wurden in den letzten Hundert Jahren so hochgezüchtet, dass die Milchproduktion einer Kuh von 1.000 auf ca. 7.000 (in manchen Fällen sogar auf 10.000 bis 14.000) Liter pro Jahr gestiegen ist. Die damit einhergehende Krankheitsrate und niedrige Lebensdauer werden einfach in Kauf genommen. 

Genau wie bei uns Menschen, kann eine Kuh nur dann Milch erzeugen, wenn sie Mutter geworden ist. Nachdem das Kalb geboren wurde, wird es direkt von der Mutter getrennt. Von nun an wird die Mutterkuh zwei bis drei Mal am Tag gemolken und sechs bis acht Wochen nach der Geburt wieder besamt. Somit wird der Milcherzeugniszyklus nicht länger als nötig unterbrochen, um wirtschaftliche Verluste zu vermeiden. Das weibliche Kalb wird bereits vor dem zweiten Lebensjahr das erste Mal besamt. 

Zusammengefasst: Die Kuh arbeitet für unseren Konsum unter Hochleistung für ein Leben voller schlechter Bedingungen. 


 

Kuhmilch als Klima-Killer?!

Ja! Nur warum? Wie in unserem Artikel Fleisch erzeugt CO2 wie Sau beschrieben, erzeugt besonders Großvieh eine hohe klimaschädliche Bilanz. So entstehen bereits im Verdauungsapparat der Kuh giftige Gase, die ungehemmt in unsere Umwelt gelangen. Bei so vielen Kühen, die alleine in Deutschland gehalten werden, kommt einiges an Emissionen zusammen. Hinzu kommt die Futtermittelproduktion. Um die Ausdehnung des Anbaus von Soja und Weizen zu fördern, werden Regenwälder und Waldflächen großflächig gerodet. Dies setzt große Mengen des Treibhausgases COfrei. Die abgholzten Landflächen sind unwiderruflich nur noch für die Landwirtschaft nutzbar. So werden 91,6 Prozent (4,58 Milliarden Hektar) der weltweit zur Verfügung stehenden Agrarfläche zum Futteranbau oder als Weide genutzt. Zudem bringen die tierischen Erzeugnisse weitere Probleme, wie die Versauerung und Überdüngung der Böden sowie die Steigerung des Wasserverbrauchs, mit sich. 


Alternativen zur Kuhmilch 

Sicherlich hast du schon pflanzliche Milchalternativen wie Mandel- oder Sojamilch im Supermarkt oder in deinem Lieblingscafé gesehen. Hier geben wir dir einen kurzen Überblick über Probleme und Vorteile der beliebtesten Alternativen.

Soja wird in Europa und in Südamerika angebaut. Der Anbau in Südamerika ist problematisch. Dort werden Regenwälder durch Monokulturen ersetzt und das Grundwasser belastet. Doch dieser Ernteertrag wird hauptsächlich zu Futter für die Viehzucht verarbeitet und verursacht somit ein Teil der negativen Klimabilanz von Kuhmilch. Die Bohnen für Sojamilch werden in Europa unter ressourcenschonenden Bedingungen angebaut. So verursacht Sojamilch 75 Prozent weniger Treibhausgase als Kuhmilch.

Hafer zählt zu den heimischen Getreidesorten. In Bezug auf Transportwege und den Austoß von Treibhausgasen ist dies ein klarer Vorteil. Die COEmissionen des gesamten Entstehungsprozesses von Hafermilch beschränken sich auf ein Drittel des Wertes von Kuhmilch. Insgesamt reduziert sich im Vergleich zur Kuhmilch die Bilanz der Umweltbelastung auf ein Zehntel. 

Der Konsum von Mandelmilch gilt grundsätzlich als umweltfreundlicher als der von Kuhmilch. Allerdings ist dies kritisch zu betrachten. Denn der Wasserverbrauch ist immens. Eine einizige Mandel benötigt bis zur vollständigen Reife etwa vier Liter Wasser. Pro Kilo kommt ein Wasserverbrauch von 15.000 Liter zusammen. Die Anbaugebiete befinden sich zudem in dürregeprägten Landregionen wie Kalifornien. Ein weiteres Problem ist das massenhafte Einsetzen von Bienen. Für die riesigen Mandelplantagen werden jedes Jahr 36 Milliarden Bienen zur Bestäubung der Mandelblüten ausgesetzt. Dadurch erhöht sich der Ernteertrag um das Siebzigfache. Die Bienen leiden unter den giftigen Pestiziden und das Bienensterben schreitet voran. Achte also beim Kauf von Mandelprodukten auf das Herkunftsland und auf die Kennzeichnung als Bioprodukt. So wirkst du an der Einsparung von Transportwegen und der Vermeidung von Pestiziden mit. 

Wenn schon Kuhmilch, dann...

Die pflanzlichen Alternativen haben geschmacklich wenig Ähnlichkeit mit dem Original. Falls du kein Gefallen an den Alternativen findest, empfehlen wir Biomilch. Denn diese muss nach der EG-ÖKO-Verordnung unter anderen Bedingungen produziert werden. Im Vergleich zu konventionellen Milchkuhbetrieben haben diese Kühe ein angenehmeres Leben vor sich. Beispielsweise ist ein Weidegang vorgeschrieben. Der Platz pro Kuh muss min. 6m2 betragen, in der konventionellen Landwirtschaft nur 4,5m2. Die Milchleistungen sind von 8.000- 15.000 Liter pro Kuh und Jahr auf 6.000- 8.000 Liter reduziert. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Futter für die Kühe bis zu 60 Prozent aus den eigenen Betrieben oder von regionalen Kooperationen stammen muss. Dadurch wird die Zufuhr des umweltschädigenden Tierfutters aus Sojabohnen weitestgehend vermieden. Für Betriebe und Produkte mit dem Bioland Siegel gelten in allen Aspekten strengerere Vorschriften, die zu einer positiveren Klimabilanz und tierfreundlicheren Haltung beitragen. 

Dennoch gilt: Die Masse machts. Auch der übermäßige Konsum von Biomilch ist sowohl für dich als auch für das Klima nicht gesund. 


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Quellen:

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