Kaffee- interessiert mich die Bohne!

„Ein Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen“ solche und weitere Sprüche sind allseits bekannt und finden sich auf Tassen oder Dekoartikeln. Der Kaffee gilt als ein beliebtes Heißgetränk, auf das viele nicht verzichten würden. In Deutschland kommen wir auf einen pro Kopf Konsum von 164 Liter im Jahr (2018).

Doch das Geschäft mit der Kaffeebohne bringt immense Ungerechtigkeiten und Probleme mit sich. Insbesondere die Menschen, die den Kaffee anbauen und ernten, sind davon betroffen. Lediglich 10 Prozent des weltweiten Umsatzes von 20 Milliarden Dollar des Kaffeegeschäftes landen in den Anbaugebieten (Stand 2015). Demgegenüber ist in Deutschland das Einkommen im Wirtschaftsbereich des Handels und der Röstereien in den vergangen 20 Jahren um 139 Prozent (das entspricht 2,11 Millionen Euro) gestiegen, obwohl der Kaufumsatz um 10 Prozent gesunken ist. Die höhere Gewinnspanne des Kaffeekonsums fließt also ausschließlich in das Ende der Lieferkette und nicht in den Anfang.

Weltweit produzieren 25 Millionen Kleinbauernfamilien 80 Prozent des Kaffees. Die Hauptanbaugebiete, wie Brasilien, Vietnam, Kolumbien und Indonesien, erstrecken sich über den sogenannten Tropengürtel entlang des Äquators. Auch Länder in Afrika, wie beispielsweise Uganda oder Äthiopien, gehören dazu.

Das Einkommen dieser Landwirt*innen schwankt stark durch die Abhängigkeit des Weltmarktpreises. Zur Verdeutlichung lassen sich an dieser Stelle die Ergebnisse der Studie von Basic herbeiführen, die vom ForumFairerHandel in einer deutschen Version veröffentlicht wurde: Für die Kaffeebäuer*innen des konventionellen Anbaus in Äthiopien lag das Durchschnittseinkommen im Jahr 2017 knapp unter 10.000 Birr (= 258,71 Euro). Damit liegt dieser Wert deutlich unter der relativen Armutsgrenze (ca. 20.000 Birr = 517,42 Euro) dieses Landes. Im Jahr 2011 lag das Durchschnittseinkommen bei über 20.000 Birr. Hinzu kommen weitere Unsicherheiten durch den Anstieg der Erderwärmung, wie steigende Produktionskosten durch erhöhten Einsatz von Chemikalien und Düngemittel oder unberechenbare Ernteausfälle. In den schlimmsten Fällen führen diese Einflüsse zu hohen Verschuldungen und schwierigen Lebensbedingungen, wie Unterernährung und Erkrankungen der Atemwege. Zudem verursachen die Chemikalien eine Verschlechterung der Boden- und Wasserqualität in den entsprechenden Gebieten.


Fairer Handel macht den Unterschied!

Dem Kaffee kommt in der mittlerweile 50 Jahre alten Geschichte des Fairen Handels eine besondere Bedeutung zu. Denn dieses Produkt war die erste Importware, welche durch die Aktion Indio Kaffee fair gehandelt wurde und zum alltäglichen Verzehr diente.

Um die 1970er rief der BDKJ und die aej zu bundesweiten Demonstrationen für Gerechtigkeit und gegen Ausbeutungen im globalen Süden auf. Die sogenannten „Hungermärsche“ fanden in 70 deutschen Städten mit insgesamt 30.000 Teilnehmer*innen statt. In diesem Zusammenhang entstand die „Gesellschaft für Handel mit der dritten Welt“. Erstmals wurden fair gehandelte Produkte, wie Dekorationsartikel und Kaffee, verkauft. Die niederländische Stiftung S.O.S. (heute: FTO - Fair Trade Original) organisierte den Import. Im Jahr 1975 wurde die GEPA als Fair Handelsorganisation gegründet und übernahm diesen Vertrieb. Mit GEPA weitete sich das Angebot an fair gehandelten Produkten aus, da die Nachfrage wuchs.

Anfang der 90er Jahre wurde die Siegelorganisation TransFair.e.V. gegründet. Dies ermöglichte eine weitere Ausweitung des fairen Handels. Denn jegliche Produkte, die den sozialen Kriterien des fairen Handels entsprachen, konnten ausgezeichnet und somit für die Konsument*innen gekennzeichnet werden. So setzen sich seit jeher Organisationen wie Fairtrade Deutschland (TransFair e.V.), MISEREOR oder GEPA unter anderem auch für die Arbeits- und Lebensbedingungen der Kaffeekleinbäuer*innen ein.

Diese unterstützen einen Zusammenschluss in demokratisch organisierten Kaffeekooperativen. So werden zum Beispiel eine höhere Verhandlungsmacht und ein gegenseitiger Austausch sowie Lernprozesse verstärkt. Weiterhin wird ein faires stabiles Einkommen entgegen der Schwankungen der Weltmarktpreise eingeführt. Eine Fairtradeprämie sorgt für Investitionen in Gemeinschaftsprojekte, wie beispielsweise der Ausbau von Ausbildungsmöglichkeiten. Diese wird weiterhin durch spezielle Prämien für einen biologischen Anbau ergänzt. Bäuer*innen, die ihre Ernte aufgrund des Klimawandels an Schädlinge oder Krankheiten verloren haben, werden gezielt finanziell unterstützt. Eine Musterkalkulation zur Aufteilung der Gewinnspanne und weitere detailliertere Informationen zum fairen Kaffeehandel hat Gepa hier zusammengestellt.

Sei dabei, teile dein Wissen und unterstütze die besseren Arbeits- und Lebensbedingungen für die Kleinbäuer*innen mit dem Kauf von fairen Kaffee!


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Quellen:

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