Baumwolle – gutes Image, aber was steckt dahinter?

Baumwolle hat einen vermeintlich guten Ruf. Sie dient als vielseitiger Rohstoff für die meisten Textilprodukte, ist hautverträglich und vor allem langlebig. Was uns als Konsument*innen oft nicht gezeigt wird, sind die immensen Umweltschäden und sozialen Probleme, die die Verarbeitung und der Anbau der weißen Pflanze hervorrufen.

Baumwolle wächst hauptsächlich in Indien, China, USA, Brasilien und in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Da die Pflanze gute Saug- und Widerstandsfähigkeit zeigt, ist sie seit Jahrtausenden in unserer Kleidung enthalten. Um die Pflanze vor Schädlingen zu schützen, kommen jede Menge giftige Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Pro Saison wird Baumwolle durchschnittlich 14 bis 30 Mal mit Pestiziden aller Art besprüht. Auch bei der Entlaubung kommen Chemikalien zum Einsatz. Als Folge gelangen die Pflanzenschutzmittel bis ins Grund- und Trinkwasser. Gewässer und Böden sind in den Anbaugebieten verseucht. Zudem gibt es jedes Jahr Unfälle mit dem giftigen Spritzmittel, an deren Folgen jährlich tausende Menschen sterben. Auch Kinder sind von diesen toxischen Mitteln betroffen. Beispielsweise liegt in der indischen Baumwollindustrie der geschätzte Anteil an Kinderarbeit bei 12 bis 26 Prozent. Den Kindern wird insbesondere die Arbeit auf dem Feld zur Bestäubung, zum Unkrautjähten, zur Ernte und sogar zur Ausbringung von Pestiziden zugeteilt.

Ein weiteres Problem ist der hohe Wasserverbrauch beim Baumwollanbau. Immer mehr Baumwolle wird in Gebieten mit Halbwüsten-Klima angebaut. Dort wird Oberflächengewässer angezapft oder Grundwasser auf die Felder gepumpt. Doch auch das Grundwasser reicht oft nicht aus. Der Rückgriff auf künstliche Bewässerung führt dazu, dass Wasser aus anderen Gebieten über weite Strecken in die Anbaugebiete gepumpt werden muss und somit auch das Grundwasser von Außerhalb vermindert wird.

Die Einnahmen in der Baumwollindustrie gestalten sich, durch die Abhängigkeit von den preisdrückenden und schwankenden Weltmarktpreisen, als unsicher. In Indien werden darüber hinaus immer wieder Fälle bekannt, dass sich Baumwollbäuerinnen und -bauern das Leben nehmen. Der Grund dafür ist die Verzweiflung, infolge von enormen Verschuldungen. Diese werden durch hohe Ausgaben für gentechnisch modifiziertes Saatgut, Pestizide oder Düngemittel bei gleichzeitigen Preisschwankungen für die Ernteerträge oder fehlender Unterstützung bei Ernteausfällen herbeigeführt.

Zusammengefasst sind die Boden- und Luftverseuchung und der sinkende Grundwasserspiegel und die gesundheitlichen Schäden sowie menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Hauptanbaugebieten für Baumwolle schwerwiegende Probleme.

Leider ist der Baumwollanbau und die Ernte nur der erste Schritt in der langen Produktionskette unserer Kleidung, in der auf Umwelt und Arbeiter*innen wenig Rücksicht genommen wird. Unter welchen Bedingungen die Arbeiter*innen unsere Kleidung produzieren, kannst du hier nachlesen: Mehr, schneller, günstiger und wer bleibt auf der Strecke?

Gibt es bessere Alternativen? JA!

Durch fair gehandelte Biobaumwolle, beispielsweise durch den Fairtrade-Textilstandard oder der Global Organic Textile Standards (GOTS) werden soziale und ökonomische Lebensverhältnisse verbessert. Das Einführen von festen Mindestpreisen für die Baumwollerträge sichert den Arbeiter*innen einen fairen Lohn und schützt somit vor Verschuldungen. Zudem werden die Bauern und Bäuerinnen bei Ernteausfällen in Dürrezeiten durch finanzielle Rücklagen unterstützt. Das Produzieren von Biobaumwolle bedeutet, dass keine gesundheitsschädigenden Düngemittel oder Pestizide benutzt werden und auf genmodifiziertes Saatgut verzichtet wird.

In dem Artikel Tipps und Handlungsmöglichkeiten findest du weitere Anregungen, die dir helfen ökologisch und sozial verträgliche Kleidung zu finden.


 

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Quellen