Elektroautos - unsere Zukunft?

Mit zunehmendem Interesse an der Bekämpfung des Klimawandels und durch politische Debatten wie der Dieselaffäre ist das Interesse an Elektroautos in Deutschland scheinbar massiv gestiegen. Die seit 2015 geführte Diskussion um manipulierte Software bei Abgaswerten von Pkw brachte viele Autohersteller in Bredouille und schadet auch heute noch dem Image des Diesels gänzlich. Mit Blick auf die „Ziele 2020“ eine Millionen Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen und der Verringerung von Treibhausgasemissionen gelangte die Thematik, rund um die Ausweitung des Verkehrsmix auf Elektroautos, erneut auf die politische Agenda. Ein Durchbruch von E-Autos auf dem deutschen Automobilmarkt folgte bis heute jedoch nicht. Nach derzeitigem Datenbestand von angemeldeten Elektroautos in Deutschland ist nur von einem wenig bis kaum vorhandenen Aufschwung im Ausbau der Elektromobilität zu sprechen – kurz: es werden einfach zu wenig E-Autos verkauft, um das Ziel zu erreichen. Im Januar 2017 lag die Zahl der angemeldeten Elektroautos bei etwa 35.000. Eine recht dürftige Zahl angesichts den noch verbliebenen 45 Millionen fahrenden Pkw auf deutschen Straßen[1].

Es stellt sich also die Frage, ob sich der Diesel-Skandal und die Problematik rund um den Klimawandel als diejenigen Faktoren darstellen, die den Versuch der Ausweitung der Elektromobilität erst ins Rollen gebracht haben. Wenn ja, dann würde dies insbesondere darauf hinweisen, dass die Bundesregierung zu wenig Engagement gezeigt hat, um das Ziel überhaupt ansatzweise zu erreichen. Wie es aktuell in aus politischer Sicht um die E-Autos steht und was wir in Zukunft erwarten dürften, möchten wir dir in unserem Artikel erläutern.

Machen Elektroautos derzeit überhaupt Sinn? 

Aus Sicht der Belastung durch Abgasemissionen im Bereich der Verkehrsmobilität machen Elektroautos theoretisch schon Sinn – wenn man sie richtig „betankt“. Auf den ersten Blick werden Elektroautos gegenüber Benzin- und Dieselautos als Vergleich in Betracht gezogen, während Letztere eine schlechtere Klimabilanz aufweisen. Lädt man sein Elektroauto jedoch mit Kohle- oder Atomstrom, so können diese eine ähnlich schlechte Klimabilanz wie die konventionellen Pkw aufweisen. Was den E-Autos positiv zuzuschreiben ist, sind die Vorteile angesichts der Luftqualität. Durch die Verringerung des Feinstaubs sowie des Lärmfaktors ist eine deutliche Verbesserung gegenüber des Status quo anzunehmen. Und dies hat natürlich auch positive Folgen auf unsere Gesundheit. Der Verkehrssektor ist in Deutschland immer noch für rund 20% der Treibhausgasemissionen verantwortlich und bringt immer wieder Streitigkeiten hinsichtlich Fahrverboten, aufgrund zu hoher Feinstaubbelastungen in Großstädten, mit sich. Durch die immer noch vorhandene Popularität der Nutzung der konventionell betriebenen Pkw (Benziner und Diesel) sind dort in Zukunft zunächst kaum drastische Senkungen von Emissionen zu erwarten. Warum fahren also noch so wenig E-Autos auf unseren Straßen und warum sind so einfach nicht attraktiv?

Die fehlende Attraktivität von E-Autos in Deutschland

Es gibt mehrere Gründe, die für eine fehlende Attraktivität sprechen. Zunächst möchten wir in einem kurzen Exkurs darauf hinweisen, welche Ziele sich die deutschen Bundesregierung in Sachen Elektromobilität gesetzt hat.

Das bereits im Jahr 2011 festgeschriebene Regierungsprogramm „Elektromobilität“ setzte das Ziel voraus, bis 2020 eine Millionen Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen – bis 2030 sogar schon 6 Millionen. Wie wir bereits Wissen, hat Bundeskanzlerin Merkel dieses Ziel heute schon abgewunken. Hält man sich die Zahlen vor Augen, sind bei dem aktuellen Elektro-Autobestand von rund 35.000 Pkw, im Jahr 2017 gerade einmal 3,4% des Ziels erreicht worden. Trotz Anreizen beim Kauf eines E-Autos von über 4000€ Prämie, welche seit Juli 2016 eingeführt wurden, geht der Verkauf von E-Autos nur sehr schleppend voran. Die Enttäuschung liegt sehr nahe, obwohl der Bund in den letzten Jahren in die Entwicklung alternativer Antriebe bereits mehr als zwei Milliarden Euro investiert hat.

Schaut man hingegen nach Skandinavien, so sind beispielsweise Norweger aus europäischer Sicht ein Vorreiter der Elektromobilität. Ein Drittel aller Neuwagen sind dort aktuell E-Autos. Ein nennenswerter Vorteil zur Steigerung der Marktanteile liegt aber auch daran, dass die Strompreise dort sehr niedrig sind und der Staat herkömmliche Verbrennungsmotoren drastisch ausquartiert. So gilt in Großstädten eine „City-Maut“ nur für Diesel und Benziner. Ideen für eine City-Maut gab es auch in Deutschland – diese hat sich jedoch nicht durchgesetzt.

Ein nennenswerter Aspekt, der den Ausbau von E-Autos nicht gerade förderlich macht, ist der große Mangel einer vorhandenen Infrastruktur für die Nutzung von E-Autos. Gerade einmal 7.700 Ladestationen stehen derzeit (Stand: Dezember 2017) in Deutschland zur Verfügung. Für die angepeilten eine Millionen E-Autos bis 2020 wären dies noch viel zu wenig. Im Vergleich stehen über 14.500 Tankstellen mit mehreren Tanksäulen für Benziner und Diesel zur Verfügung. Die Politik versucht jedoch gerade hier anzusetzen: Der ehemalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt gab im März 2017 bereits grünes Licht für den Ausbau für weitere 15.000 Ladesäulen, mit einem Investitionsumfang von 300 Millionen Euro aus Steuergeldern[2]. Auch der neue Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD (Februar 2018) sieht bis 2020 eine Ladeinfrastruktur mit 100.000 Ladepunkten vor. Ohne vorhandene Infrastruktur bringen auch E-Autos auf unseren Straßen wenig.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Batterie und damit verbundene Reichweite bei E-Autos. Sie sind schwer, teuer in der Beschaffung und dauern meist lange zu laden. Gerade die für die Herstellung benötigten Produkte Lithium und Nickel sind in ihrer Beschaffung sehr selten und natürlich nicht unendlich vorhanden. Mit der noch nicht ausreichend fortschreitenden Entwicklung der Batterie eines E-Auto sind im Durchschnitt Reichweiten von über 300km möglich. Für viele ist dies ein ausschlaggebender Punkt sich kein E-Auto zuzulegen.

Das wichtigste Kriterium ist jedoch der Strommix den ein Elektroauto für seine Ladung nutzt. Zwar sind Elektroautos abgasfrei, allerdings sind sie nach dem aktuellen Strommix mit Kohle- und Atomstrom in der Ökobilanz genau so schädlich wie ein Diesel-Fahrzeug. Das Bundesumweltministerium benennt diese aktuell vorliegende Konstellation der meisten E-Autos  mit folgendem Zitat: „Elektrofahrzeuge sind so sauber wie der Strom, mit dem sie fahren.“[3]. Schließlich muss man derzeit für ein Elektroauto auch einen stolzen Preis hinlegen. Ab etwa 30.000€ erhält man einen Klein- oder Mittelklassewagen, meist mit kleiner Batterie, wie zum Beispiel ein E-Smart (siehe Bild).

Wie stehen wir Autofahrer zum Thema Elektroauto?

Deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher stehen der Elektromobilität noch eher skeptisch gegenüber. Dabei sind die Faktoren der Reichweite und Kosten die häufigsten Argumente, die gegen einen Kauf sprechen. Aktuell sind bei der Pkw-Neuanschaffung Benzin-Antriebe noch vor Hybrid und Elektroautos im Trend. Unter den Voraussetzungen der erhöhten Reichweite, der Verbesserung der Infrastruktur (Ladesäulen) und fallenden Kosten, könnte der Anreiz zum Kauf eher gesteigert werden.

Worauf können wir in Zukunft hoffen?

Trotz der noch recht geringen Absätze von Elektroautos gibt es dennoch die Hoffnung, dass Elektroautos für uns Verbraucherinnen und Verbraucher attraktiver werden. Die Hersteller arbeiten stetig daran die Reichweiten der Fahrzeuge zu erhöhen. Zudem soll der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland, durch die Absage an Kohle und Atomstrom, weiterhin steigen. Dadurch können E-Autos auch in Zukunft vermehrt „grün“ fahren. Wirklich grün würden sie allerdings nur durch betanken von 100% echten Ökostrom fahren. Experten erwarten einen „Elektro-run“ in Europa und Deutschland aber erst ab dem Jahr 2020, da viele Verbraucherinnen und Verbraucher noch durch die zu hohen Kosten abgeschreckt seien. Aktuelle politische Ereignisse, wie der Diesel-Skandal und die Möglichkeit Fahrverbote in großen Städten zu verhängen, können jedoch das Tempo zum Umstieg auf Elektroautos erhöhen. Viele Unternehmen greifen bereits auf E-Smarts (siehe Bild) zurück oder gehen, wie die Deutsche Post mit dem „Streetscooter“ als Postauto mit gutem Beispiel voran. Eine direkte Hebel-Wirkung, bzw. ein Umstieg von Benzinern und Diesel auf E-Autos, wird etwas Zeit in Anspruch nehmen. 


Quellen  


Tipps für Informationsquellen zum Thema Elektroautos