Menschenrechte: Billig, billiger, am billigsten?

Menschenrechte: Billig, billiger, am billigsten?

Günstige Produktionsbedingungen, niedrige soziale Mindeststandards und geringe Umweltauflagen mögen für Firmen sehr lukrativ sein. Für Arbeiterinnen und Arbeiter kann dies allerdings bedeuten, dass sie 18 Stunden am Tag schuften und ihr Lohn nicht zum Leben ausreicht. Die einheimische Bevölkerung leidet unter den Umweltschäden von Wasser, Luft oder Boden mehr als der Konzern, der sich nimmt, was er braucht. Eine beliebte Ausrede der Konzerne: Für die Verletzung von Sozial- und Umweltstandards seien ja nicht sie, sondern die Zulieferbetriebe und Zwischenhändler verantwortlich.

Kernarbeitsnormen – oft nicht die Norm!

Als Kernarbeitsnormen werden acht Übereinkommen bezeichnet, die die vier Grundprinzipien der Internationalen Arbeitsorganisation (englisch: International Labour Organisation, kurz: ILO) ausgestalten. Das sind: Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen, Beseitigung der Zwangsarbeit, Abschaffung der Kinderarbeit und Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Alle acht Übereinkommen wurden unter anderem von Deutschland ratifiziert.

Das heißt allerdings noch nicht, dass sie automatisch auch eingehalten werden. Immerhin: Verstößt ein Unternehmen gegen die Kernarbeitsnormen, kann man das gegenüber der ILO einklagen, die dann den Vorwurf untersucht. So etwas passierte zum Beispiel im Falle von Coca-Cola in Kolumbien, als die ILO die Beschäftigungsverhältnisse untersuchte

Mit Verhaltenskodizes für die Einhaltung der Menschenrechte

Kampagnen wie die Clean Clothes Campaign setzen sich dafür ein, dass Unternehmen in ihrem eigenen Handeln sowie entlang der Lieferkette Verhaltensregeln unterschreiben und umsetzen, deren Mindeststandard die ILO-Kernarbeitsnormen sind. Darüber hinaus fordert die Clean Clothes Campaign existenzsichernde Löhne, Schutz vor Ausbeutung und überlangen Arbeitszeiten. Solche Standards einzuhalten wäre eigentlich ein Gebot der Menschenrechte, doch in der Realität ist das eher selten der Fall, wie folgendes Beispiel aus der Textil-Industrie zeigt.

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Schuften für ein T-Shirt – Ein Beispiel

Sowohl Discounter (Tchibo, KiK, etc.) als auch Markenfirmen (H&M, ZARA, etc.) lassen ihre Textilien in sogenannten Entwicklungsländern herstellen. In Bangladesch beispielsweise liegen die Löhne für eine Näherin je nach Erfahrung zwischen 10 und 20 Euro im Monat. Dieser Lohn reicht, wenn überhaupt, nur für das Notwendigste. Viele Näherinnen sagen: „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel!“

Ein Beispiel: Sabina ist bei „Basic Apparels“, eine der 4000 Textilfabriken Bangladeschs, tätig. Diese Fabrik beliefert auch Tchibo in Deutschland. Arbeiten muss sie oft an sieben Tagen in der Woche. Es gibt keine festen Tagesarbeitszeiten, sondern ein bestimmtes Arbeitspensum, welches die Näherin erreichen muss. Ihr Pensum liegt bei 120 Nähten in der Stunde. Dieses Pensum ist allerdings so hoch, dass sie oftmals bis spät in die Nacht arbeiten muss, um es zu schaffen. Von den so abgeleisteten 90 oder mehr Stunden im Monat werden nur 60 bezahlt.

Beschwert sie sich über die Arbeitsbedingungen, so wird ihr mit Entlassung gedroht oder Lohn einbehalten. Auch körperliche oder seelische Misshandlungen kommen vor, wie z.B. Schläge oder Beschimpfungen. 

Als Sabina einmal krank war, musste sie dennoch auf der Arbeit erscheinen, um nicht ihren Job zu verlieren. Laut Gesetz stehen einer Arbeiterin eigentlich 14 Krankentage zu, doch die vermeintlich unabhängigen Überprüfungen laufen nicht mit rechten Dingen ab. Von Tchibo entsandte Prüferinnen und Prüfer, welche die Einhaltung der Sozialstandards in den Textilfabriken kontrollieren sollten, sprachen nur mit Arbeiterinnen, die der Produktionsleiter vorher ausgesucht hatte. Diese wurden sogar zu Falschaussagen gezwungen.
Quelle: www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/457393/

Der Grund für diese Zustände ist der enorme Preisdruck, den Tchibo, H&M und Co vorgeben. Den Zuschlag für Aufträge bekommt nun mal immer der billigste Anbieter. Am Ehesten wird an den Löhnen der Arbeitenden gespart. Dies kann nur durch verbindliche Einführung sozialer Standards, wie existenzsichernde Mindestlöhne und geregelte Arbeitszeiten, geändert werden, die auch unabhängig kontrolliert werden. 

Besonders bitter ist die Ausbeutung, wenn man das Budget der Lohnkosten mit den immensen Kosten vergleicht, die die Firmen für Werbung und Marketing ausgeben.


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