Minecraft & MineHandy

Das Minecraft-Minigame zu den Folgen des Handykonsums

Die meisten Eltern von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 15 Jahren haben bestimmt schon einmal von dem Computerspiel „Minecraft“ gehört. Das im Jahr 2009 erschienene Open-World-Spiel hat mit seinem einzigartigen Blöckesystem einer virtuellen Spielewelt die Gaming-Branche revolutioniert. Was Minecraft auszeichnet ist eine beinahe grenzenlose Vielfalt an Möglichkeiten zur Veränderung seiner eigenen Spielwiese. Man muss sich das wie folgt vorstellen: Das Spiel stellt eine riesige Welt dar, mit Tag- und Nachtzyklen, vier Jahreszeiten, unterschiedlichen Vegetationen, Bergen und Tälern, Höhlen und Meeren, usw. Grundsätzlich gibt es kein festgelegtes Spielziel. Jeder Spieler kann mit seinem Spielcharakter oder befreundeten Mitspielerinnen und Mitspielern offline und online eine eigene Welt errichten und immer wieder daran arbeiten. Durch den Abbau von Bausteinen (Blöcken) wie Erde, Holz oder Stein kann man neue „Tools“ und Werkzeuge herstellen, indem man diese Blöcke weiterverarbeitet – man nennt es hier „craften“ (Englisch für Basteln/Handwerken). Jeder Spieler wird allerdings mit dem Problem konfrontiert, bei zunehmender Ausdauer und zurückgelegter Strecke des Spielcharakters seinen Hungerbedarf stillen zu müssen. 

Über Äpfel an Bäumen, das Braten von Fleisch oder Fisch oder anpflanzen von Obst und Gemüse hält man seine Lebensanzeige stabil. Um einige Gegenstände herzustellen, wie eine Spitzhacke oder eine Schere zum Scheren von Schafswolle (aus Wolle und Holz kann man sich nämlich ein Bett „craften“), benötigt man bestimmte Rohstoffe unter der Erde, wie Eisen, Gold oder Diamant. Am Anfang ist das Überleben gar nicht so einfach, wenn man sich mit dem Spiel nicht auskennt. Kinder und Jugendliche versetzen sich in diese virtuelle Welt – in ihre eigene Welt. Sie finden schnell Lösungen, entwickeln abseits ihres Alltags Fantasien und lernen dazu auch noch das Konsumverhalten des eigenen Spielcharakters. Für viele Eltern mag Minecraft nur ein Spiel zum „Zocken“ oder „Daddeln“ sein. Sie sollten vielmehr verstehen, was sich dabei im Kopf der Spielerinnen und Spieler abspielt. Denn dort findet sich sehr viel Kreativität und räumliche Vorstellungskraft wieder. Wer sich immer noch nicht vorstellen kann wie Minecraft funktioniert, der sollte sich dies idealerweise von seinem Kind selbst erklären lassen oder mal ein „Let’s Play“ auf Youtube schauen. Kinder und Jugendliche äußern mehrfach ihre Begeisterung in Videoaufnahmen, in denen sie gemeinsam sich austoben. Ganz sicherlich finden auch Erwachsene Spaß an Minecraft. Denn was damals mit Lego und Playmobil in unseren Zimmern gebaut wurde, können Kinder und Jugendliche von heute bei Minecraft in digitaler Weise sogar noch überbieten. 

Aus welchen Materialien besteht eigentlich mein Smartphone? Das zeigt euch „MineHandy“!

Eine ganz besondere und innovative Variante des Spiels stellt ein im Rahmen der Handyaktion NRW von Jugendlichen selbstentwickeltes Minigame für Minecraft dar. Die Erweiterung „MineHandy“ thematisiert insbesondere ökologische und soziale Herausforderungen in der Wertschöpfungskette von Mobiltelefonen. Der eigene Spielcharakter bei Minecraft, den man in der Egoperspektive steuert, befindet sich in der Rolle eines Journalisten. Dessen Aufgabe ist es, Informationen für einen Artikel über die Bedingungen der Rohstoffgewinnung bei der Handyproduktion und der damit verbundenen Elektroschrottentsorgung zu sammeln. Die Recherchereise führt den Spielcharakter in verschiedenste Produktionsländer, wie zum Beispiel die Insel Bangka in Indonesien, auf der Zinn abgebaut wird oder nach Sambia, wobei ihm in der Stadt Mufulira gezeigt wird, wie in mit Schwefel belasteten Fabriken Kupfer abgebaut wird. Jeder Schritt zur Herstellung eines Smartphones wird im Einzelnen genau erklärt. Die Umgebung haben die Weltenbauer jeweils den Produktionsländern angepasst. Beim Spielen von MineHandy wird jeder und jedem sehr schnell klar, dass die Produktions- und Arbeitsbedingungen für unsere neuesten Smartphones nicht gerecht, unfair und sogar tödlich sind.

Ist Minecraft pädagogisch wertvoll?

Natürlich stellt man sich die Frage, ob ein Spiel, dass einen gewissen Suchtfaktor hervorruft, pädagogisch wertvoll sein kann. Minecraft erfordert nicht nur eine stumpfe Wiedergabe von Tastenkombinationen und monotonen Abläufen – Es erfordert viele Fähigkeiten zur Kombination Sachzusammenhängen und mehreren Herausforderungen. Spielt man es gemeinsam mit anderen Mitspielerinnen und Mitspielern, werden auch kommunikative Fähigkeiten benötigt. Wir haben das Spiel mitsamt der Erweiterung „MineHandy“ selbst ausprobiert und sind von der Umsetzung und Erklärungskraft sehr begeistert. Für pädagogische Zwecke in schulischen Einrichtungen ist es für Schülerinnen und Schülern bestens geeignet um aufzuzeigen, welche Auswirkungen der steigende Handykonsum hat und unter welchen Bedingungen Arbeiterinnen und Arbeiter in den Produktionsländern leben müssen. Auf der Seite der Handyaktion-NRW findet ihr neben der Erweiterung auch das Begleitheft zum Spiel sowie auch Flyer und Plakate. Minecraft spielen und dabei thematisch etwas lernen – eine tolle Sache.

Um das Spiel zu spielen benötigt man auch keinen Gaming-PC oder besondere Hardware. Es kostet um die 20 Euro und ist online auf www.minecraft.net erhältlich.

Hier findet ihr alles zu MineHandy und der Handyaktion-NRW, Link: https://handyaktion-nrw.de/materialien/minehandy

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