Überzeugt fair!

Ethischer Konsum in Institutionen

Hier präsentieren wir dir die Onlineversion der zweiten Auflage der Argumentationshilfe "Überzeugt fair".  Du hast darüber hinaus die Möglichkeit über unser Bestellformular bis zu 10 Kartensets für deinen Verband, Schule oder Organisation zu bestellen.

 

 "Zu teuer!“ „Zu aufwändig!“ „Das bringt doch nichts!“. Diese und ähnliche Standardphrasen sind wohl schon jedem und jeder begegnet, der jemanden von kritischem und verantwortungsvollem Konsum zu überzeugen versucht hat. Mit diesen Karten haben Menschen, die sich für ethischen Konsum in ihrer Gemeinde oder Institution einsetzen, die passenden Gegenargumente und weiterführende Informationen zur Hand. Fair einzukaufen ist gar nicht so schwer. Bei ethischem Konsum geht es nicht nur um Einschränkungen und Verzicht. Vielmehr sollten wir – persönlich und als Institution – unsere Konsumgewohnheiten kritisch hinterfragen und uns bewusst machen, welche Anschaffung überhaupt sinnvoll ist und dass jedes Produkt eine Geschichte hat.


Onlineversion Überzeugt fair! (10-teiliges Kartenset)

Ja, öko-fairer Konsum wirkt vor Ort!

Obwohl viele Menschen Fairen Handel mit fairen Preisen und Bioprodukte mit unbedenklichen Produktionsbedingungen verbinden, wird beides häufig hinterfragt. Sind das alles nur Marketingmaschen? Werden Produzenten überhaupt kontrolliert und wem nützt das Ganze eigentlich?

Die gängigen Siegel sind durchaus an strenge Auflagen gebunden. Um etwa das Fairtrade-Siegel zu erhalten, müssen sowohl soziale Kriterien (etwa demokratische Strukturen und Partizipation) als auch ökologische (beispielsweise der Ausschluss von Gentechnik oder zahlreicher Pestizide) erfüllt werden. Langfristige Verträge und die Vorfinanzierung von Produkten bieten den Produzenten zusätzliche Sicherheit. Darüber hinaus sorgen vertraglich vereinbarte Mindestpreise, die unabhängig von Preisschwankungen auf dem Weltmarkt sind, dafür, dass die Kosten für den nachhaltigen Anbau gedeckt sind. Außerdem gibt es für die Produzierenden-Organisationen eine Fairtrade-Prämie für Gemeinschafts-Projekte, über deren Verwendung gemeinschaftlich entschieden wird.

Für Bio-Siegel (Bioland, Demeter, Naturland, EU-Bio-Siegel etc.) gilt, dass giftige Substanzen, Pestizide oder gentechnisch veränderte Organismen nicht eingesetzt werden dürfen. Das bedeutet Sicherheit für uns Verbraucherinnen und Verbraucher, ebenso wie für die Menschen, die entlang der Wertschöpfungskette mit den Produkten in Berührung kommen.

Link: www.gepa.de/produzenten/

Ethisch zu konsumieren muss nicht teurer sein.

Es stimmt schon, dass fair und ökologisch produzierte Lebensmittel oder Kleidung teurer sind als viele Discount-Produkte, die konventionell hergestellt werden. Im Vergleich zu Markenartikeln sieht das aber schon wieder ganz anders aus.

Natürlich gibt es Menschen, die nicht die Mittel haben, teuer einzukaufen, während andere ganz selbstverständlich große Mengen an Geld für Computer, Handy, Auto oder Partys ausgeben. Der Extra-Cent, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Löhne oder umweltfreundliche Produktion zu garantieren, ist uns aber oft zu viel.

Wenn ich ethisch konsumieren möchte, um Menschen zu unterstützen, denen es an dem fehlt, was für uns selbstverständlich ist, sollte ich auch meine Konsumgewohnheiten hinterfragen. Das heißt nicht, dass ich ab sofort asketisch leben muss.

Aber ich kann Prioritäten setzen, indem ich von Schokolade, Kaffee oder Fleisch nur so viel kaufe, wie ich wirklich brauche und dafür ein kleines Wenig mehr bezahle, statt die Kosten für unseren teils maßlosen Konsum auf Schwächere abzuwälzen.

Das gilt nicht nur für den Einzelnen sondern gerade für die Arbeit in Verbänden, Pfarrgruppen, Gemeindeverwaltungen und Ministerien. Mit ethischem Konsum setzen wir ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarität.

Wir sollten nicht alles haben wollen –  und das so günstig wie möglich –  und dafür menschenverachtende Arbeits- und Lebensbedingungen in Kauf nehmen. Auch mit begrenzten Mitteln können wir einen Anfang machen, indem wir uns Prioritäten setzen und uns für das Faire entscheiden.

Öko-fairer Konsum bedeutet einen stetigen Mehrwert für uns alle.

Als Kirchengemeinde, Verband oder Verein spenden wir häufig für wohltätige Zwecke und an Projekte, die Missstände in Entwicklungs- und Schwellenländern bekämpfen. Solche finanziellen Unterstützungen werden auch weitestgehend nicht in Frage gestellt.

Mit fairem Handel und öko-fairer Beschaffung steht uns ein Instrument zur Verfügung, mit dem wir uns auch mit unserem täglichen Handeln für weltweite Gerechtigkeit, Frieden und die Solidarität der Menschen einsetzen können. Über die punktuelle Unterstützung hinaus, können wir so strukturell helfen und Arbeits- und Lebensbedingungen auf Dauer verbessern.

Indem wir nicht stets zu den preiswertesten Produkten greifen, sondern durch unseren Konsum Menschen vor Ort am Welthandel teilhaben lassen, schaffen wir einen echten und stetigen Mehrwert für die Bäuerinnen und Bauern sowie die Produzentinnen und Produzenten.

So können wir als Einzelne, als Gemeinde oder Organisation jeden Tag Hilfe zur Selbsthilfe geben und ein wirksames Instrument zur Armutsbekämpfung in der Einen Welt nutzen.

Aber auch für uns ist öko-faire Beschaffung gut. Neben der sozialen Komponente, Verantwortung für die Welt und damit auch das eigene Leben zu übernehmen, gilt es vor allem, die Lebensgrundlage für uns und unsere Kinder zu schützen und zu erhalten.

Öko-faire Produkte setzen sich durch.
Und auch ein wenig Mehraufwand lohnt sich!

 

Mit jedem von uns gekauften öko-fairen Produkt tun wir etwas, um in den Produktionsländern vor Ort Arbeitsbedingungen zu verbessern, Arbeitsplätze zu sichern und Wohlstand zu erarbeiten. Schon allein deshalb sollte ein kleiner Mehraufwand als lohnenswert angesehen werden. Darüber hinaus tragen wir aber mit ethischem Konsum zur Bildung eines Bewusstseins bei, zum Beispiel, wenn wir öko-faire Stände beim Pfarrfest oder nach dem Gottesdienst organisieren und öko-faire Produkte in Jugendbildungsstätten oder auf Veranstaltungen anbieten. Gäste und Teilnehmende erleben so, dass ethischer Konsum nicht nur theoretisch möglich ist, sondern auch praktisch in den Alltag integriert werden kann, und machen es im besten Fall nach. Ein Schneeballeffekt kommt in Gang.

Zurück zum Thema Mehraufwand: Auch konventionelle Produkte müssen beschafft werden. Ein Großteil der Lebensmittel, aber auch Textilien oder Möbel, sind heute bereits in öko-fairer Qualität zu haben. Und was man nicht im Supermarkt nebenan findet, lässt sich in Zeiten des Online-Shoppings einfach im Internet finden. Öko-faire Produkte werden auf entsprechenden Webseiten und Katalogen auch gebündelt angeboten und viele Unternehmen gewähren bei regelmäßiger Bestellung Rabatte für Gruppen, z.B. Großkundenrabatte der GEPA bei Nahrungsmitteln oder der MEMO AG für Büromaterial.

Sicher ist auch der Weltladen in der Nähe bereit, Waren auf Kommission zu verkaufen. Bleiben dann Produkte in großen Mengen übrig, entstehen keine Kosten. Die restlichen Produkte könnten aber auch einfach bei der nächsten Gruppenstunde oder Sitzung zum Selbstkostenpreis verkauft werden.

Link: www.gepa.de & www.memo.de

Zu nahezu jedem herkömmlichen Lebensmittel gibt es mittlerweile ein öko-faires Produkt, das mindestens genauso gut schmeckt!

 

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Unstrittig ist aber, dass höhere ökologische Standards auch höhere Qualität der Lebensmittel bedeuten.

Gewiss gibt es noch das ein oder andere Klischee bei öko-fairen Tee oder Kaffee, etwa dass  dieser nicht für alle Zubereitungsformen geeignet sei. Das stimmt aber nicht und lässt sich auch recht leicht widerlegen. Am besten macht man sich den Spaß und baut eine Blindverköstigung in eine Gruppenstunde oder Sitzung ein. Produkte, die eben nicht alle möglichen Zusatzstoffe enthalten, können zunächst einmal ungewohnt schmecken, weil unser Gaumen an Geschmacksverstärker, zu viel Zucker und zu viel Salz gewöhnt ist. Aber selbst vegetarische oder sogar vegane Gerichte schmecken, wenn sie gut gemacht sind.

Einen doppelten Vorteil bieten saisonale Produkte. Sie sind meist aus der Region und müssen nicht weit transportiert werden, was gut für die Umwelt und den Geldbeutel ist. Außerdem sind sie nicht das ganze Jahr über erhältlich und sorgen so für mehr Abwechslung auf dem Teller.

Unser Tipp: Ausprobieren!

Link: www.utopia.de/produktguide

Fairness steht jedem gut!
 

Faire Klamotten haben lange nichts mehr mit kratzigen Jutesäcken und grobem Leinenstoff zu tun. In den vergangenen Jahren haben viele junge Designerinnen und Designer kleine Labels gegründet und sich der grünen, sozial und ökologisch fair produzierten Mode verschrieben. Das Ergebnis bleibt natürlich Geschmackssache, aber heute ist für nahezu  jede Stilrichtung etwas dabei. Viele junge Modeschaffende haben sich öko-fairer Mode verschrieben. Selbst auf der Fashion Week in Berlin gibt es heute einen „grünen“ Bereich. Einen Wegweiser durch den Label-Dschungel bietet die Christliche Initiative Romero.

Aber nicht nur Klamotten sind ausgefallener und modischer geworden. Mittlerweile bieten Fairtrade- und Bio-Produkte durchaus ein ästhetisches Einkaufserlebnis und haben das Image abgelegt, nur etwas für Öko-Latschen tragende Umweltaktivisten zu sein. Auch im Technikbereich tut sich einiges, etwa die Entwicklung des ersten fast komplett fair hergestellten Smartphones.

Links: www.ci-romero.dewww.wearfair.at, www.fairphone.com

Am besten alles drei. Das eine schließt das andere nicht aus.

 

Wer ethisch konsumieren möchte, muss nicht zwangsläufig nur Fairtrade oder zu hundert Prozent Bio-Produkte einkaufen. Vielmehr geht es beim ethischen Konsum darum, die eigenen Einkaufsgewohnheiten kritisch zu hinterfragen. Natürlich ist es zum Beispiel besser, Bio-Äpfel als eventuell mit Pestiziden behandelte zu kaufen. Wenn diese Äpfel dann aber aus Neuseeland eingeschifft werden müssen, ist es sinnvoll, nach einer regionalen Alternative zu schauen und auch vor allem dann Äpfel zu essen, wenn sie hier gerade reif sind. Der Schwerpunkt bei Fairtrade liegt mit Kaffee, Tee, Kakao oder Bananen auf Agrarprodukten aus Ländern des globalen Südens. Dies sind Produkte, die wir ohnehin importieren müssen, weil sie in unseren Breitengraden nicht angebaut werden können. Generell gehört zum Einkauf immer eine gute Portion gesunder Menschenverstand. Bei der Entscheidung für ein Produkt sollte immer neben den Kennzeichen Fairtrade oder Bio auch die Ökobilanz miteinbezogen werden.

Siegel geben eine Orientierung für möglichst öko-fairen Konsum!

 

In erster Linie sind Siegel Auszeichnungen, mit denen ein Hersteller seine Produkte nur dann kennzeichnen darf, wenn es bestimmte Kriterien erfüllt. Auch hier sollte man kritisch bleiben, denn es gibt neben weit verbreiteten Siegeln, wie dem Fairtrade-Siegel, dem Blauen Engel, dem Energy-Star oder dem europäischen Bio-Siegel, eine Vielzahl an Logos, die die Händler selbst entwickelt haben.

Generell gilt es zu schauen, welches Siegel wofür steht und von wem wie geprüft wird. Fairtrade zertifizierte und von GEPA geführte Produkte unterstehen regelmäßigen externen Kontrollen. Das Zertifizierungsunternehmen FLO-Cert ist regelmäßig mit sogenannten Auditoren zur Überprüfung und Weiterentwicklung von Standards vor Ort. Mit jedem fairen Produkt wird eine Prämie für die Bauern erwirtschaftet und fairer Lohn bezahlt, außerdem werden demokratische Strukturen gefördert und gewährleistet, dass die Produzierenden auch von dem leben können, was sie erarbeiten. Will man beispielsweise Büromaterialien möglichst nachhaltig einkaufen, sind insbesondere ökologische Kriterien relevant. Hier gibt zum Beispiel der Blaue Engel Orientierung.

Links:

www.label-online.de

www.blauer-engel.de/de/unser-zeichen-fuer-die-umwelt

Mit einem Mal ist sie nicht zu retten, aber man verändert die Welt.

 

Die von Einzelnen gekauften Fairtrade-Produkte reichen nicht aus, um den Welthandel strukturell zu verbessern. Aber nur wenn mehr und mehr fair gehandelte Produkte wie Schokolade, Kaffee und Tee nachgefragt werden, kann sich der Markt auch verändern. Die Umstellung auf ein fair gehandeltes Produkt im Kleinen, in der Gemeinde oder zuhause, ist immerhin ein Anfang. Natürlich sollte man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, wenn man jetzt Fairtrade-Kaffee, statt dem Konventionellen kauft. Es gibt viele weitere Möglichkeiten sich zu engagieren und seinen politischen Willen auszudrücken, sei es durch Petitionen, bei Kampagnen, Demos oder öffentlichen Aktionen. Fairness ist in allen Bereichen wichtig.

Ethischer Konsum bedeutet daher, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an der Veränderung zu einer sozial gerechteren sowie nachhaltigeren Wirtschaft mitzuwirken. Im Mittelpunkt des Netzwerks steht der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit.

Link: www.oeko-fair.de/verantwortlich-handeln

Eben doch, denn große Veränderungen beginnen mit vielen kleinen Schritten.

 

„Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“ (Kurt Marti)

Selbstverständlich zeigt der Einsatz jeder kleinen Gruppe eine Wirkung und leistet einen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit! Kleine Erfolge und Veränderungen motivieren andere Gruppen, setzen Zeichen und werden zum Vorbild. Kirchen, kirchliche Einrichtungen, aber etwa auch öffentliche Einrichtungen, Schulen und Krankenhäuser haben ein riesiges Beschaffungsvolumen. Veränderungen können da durchaus Macht auf den Markt ausüben. Dazu tragen viele kleine Schritte bei.

Die Hürde der inhaltlichen Auseinandersetzung kann kein Grund sein, nicht einen Stein ins Rollen zu bringen. Kann es einer Institution, einer Kirchengemeinde oder einem Pfarrgemeinderat egal sein, welche Produkte eingekauft werden bzw. kann es das Ziel sein, immer möglichst günstig zu konsumieren?

Vielmehr sollte es doch im Vordergrund stehen, mit dem Einkaufsverhalten dazu beizutragen, Menschen ein gerechtes Einkommen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Institutionen und Politik können große Hebel in Gang setzen.

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