Biopiraterie & Gentechnik

Das geklaute Wissen

Die zunehmende Konzentration des Weltmarktes auf einige wenige Konzerne verschafft diesen eine große Macht: In der Saatgut- und Agrarchemie-Industrie führt das dazu, dass Bäuerinnen und Bauern nicht mehr ihr eigenes Saatgut züchten können, sondern es bei Großkonzernen über Kredite erwerben müssen. Und das jedes Jahr von neuem. Konzerne wie Monsanto (USA) oder Syngenta (Schweiz) erwerben Patente auf Saatgut, das ursprünglich von den Feldern der Bäuerinnen und Bauern selbst stammt. Daneben kaufen Firmen derzeit geistige Eigentumsrechte (Intellectual Property Rights (IPR)) und verfügen damit über Jahrhunderte alte Wissensbestände und Praktiken der indigenen Völker.

Agrarische Vielfalt und indigenes Wissen wird damit monopolisiert. Diesen Vorgang nennt man Biopiraterie. Die Bäuerinnen und Bauern geraten damit oft in eine Schuldenfalle ohne Ausweg. Aus diesem Grund gab es unter den Kleinbäuerinnen und -bauern in Indien über 200.000 Selbstmorde innerhalb der letzten Jahre!

Biopiraterie ist Teil einer umfassenden Entwicklung, innerhalb der die Natur nicht mehr als Teil des Lebens, sondern als (genveränderte) Ware und Erfindung von Forscherinnen und Forschern gesehen wird.

Sowohl für die biologische (und kulturelle) Vielfalt, als auch für Ernährungssouveränität in den sogenannten Entwicklungsländern ist Biopiraterie hoch problematisch! 

Gen-Food durch die Hintertür?

Die Natur als manipulierbare Ware und Erfindung der Forschung? Diese Logik liegt auch der Gentechnik zugrunde. Hoch problematisch ist nicht nur, dass die großen Konzerne die Gewinne für das gentechnisch veränderte Saatgut einstreichen, während die Ernährungssouveränität von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Gefahr gerät.

Gentechnik birgt unberechenbare Risiken für Umwelt und Menschen, die derzeit nicht kontrollierbar sind. Die Mehrzahl der Konsumierenden in Deutschland sträubt sich gegen „Genfood“. Kaum ein Hersteller traut sich Lebensmittel anzubieten, die als gentechnisch verändert kenntlich gemacht werden müssen. Ein Erfolg von kritischem Konsum! Doch leider ist die Gentechnik damit nicht aus unseren Lebensmitteln verbannt. Nicht überall gilt die Kennzeichnungspflicht. Deshalb wird Gentechnik dort eingesetzt, wo es keiner sieht – im Futtermittel.

40 Millionen Tonnen Soja kommen beispielsweise jedes Jahr nach Europa, das meiste davon als Futtermittel für unsere Nutztiere. Oft stammt es aus Südamerika, wo dafür sogar Urwälder abgeholzt werden. 80 Prozent des weltweit angebauten Sojas ist gentechnisch verändert. So kommt es, dass unsere Tiere gentechnisch verändertes Futter serviert bekommen und wir Verbraucher durch den Konsum von Milchprodukten indirekt auch.

Gentechnik und Patente auf Saatgut lassen sich nicht mit unserem Verständnis von einem  verantwortungsvollen Umgang für Menschen und Umwelt vereinbaren.

Keine Lust auf Gentechnik?

Unsere Tipps rund um Bio-Produkte liefern dir Anregungen für einen Konsum ohne Gentechnik: Bio-logisch!


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