Plastikmüll bei Bio-Verpackungen

Möchte man sich ökologisch-fair verhalten, so greift man zu regionalen, saisonalen und biologischen Produkten. Bio-Produkte befinden sich schon seit vielen Jahren im Sortiment deutscher Supermärkte und sprechen heute stetig mehr Interessierte an. Mit Bio tust du scheinbar etwas gutes: Bio-Lebensmittel sind gesünder als herkömmliche Lebensmittel, da sie einen höheren Nährstoffgehalt aufweisen. Wenn es um das Thema Transport und Klima geht, kommen dennoch mehrere Fragen auf. Bestimmt hast du dich schon einmal gefragt, warum neben herkömmlichen Produkten gerade Bio-Lebensmittel zusätzlich in Plastik verpackt sind. Eingeschweißte Gurken, frische Kräuter in der Kunststoffschale oder Bananen mit Plastikfolie ummantelt sind in unseren Supermärkten keine Seltenheit mehr. In diesem Zusammenhang besteht ein Widerspruch: Bio und Plastik passen im Zuge öko-fairer Beschaffung überhaupt nicht zusammen. Wie du bereits in unserem Artikel „Bio-Lebensmittel“ erfahren konntest, sind Bio-Produkte gesünder und sollten belasten im Idealfall weniger die Umwelt. Allerdings verschlechtert der Gebrauch von Plastikverpackungen die Bilanz der Umweltfreundlichkeit. Umweltverträglich zu konsumieren heißt: Abfall vermeiden und zunehmend zu reduzieren.

Plastik – Unsere größte Umweltbedrohung?

Laut PlasticsEurope ist die weltweite Produktion von Plastik in den letzten 10 Jahren um 40% gestiegen. Mittlerweile werden über 300 Millionen Tonnen Plastik jährlich produziert. Dabei machen Verpackungen etwa ein Drittel, das heißt etwa 100 Millionen Tonnen aus.[1] Noch viel verheerender ist der dadurch entstehende Müll, der sich nicht nur in unseren Meeren, sondern mittlerweile auch in Form von Mikroplastik im Grundwasser und in alltäglichen Kosmetik- und Hygieneprodukten befindet. Der an sich große Vorteil von Plastik, widerstandsfähig und robust zu sein, stellt sich im Nachhinein als großer Nachteil für die Umwelt dar. Je nach dem welcher Kunststoff eingesetzt wurde, kann es bis zu 500 Jahre dauern, bis Plastik letztlich zerfällt. Mit dem Zerfallen hat immer noch keine Zersetzung stattgefunden, da es nicht biologisch abbaubar ist. Somit stellt Plastik eine der für uns größten Umweltbedrohungen dar. 

Warum gerade bei Bio-Produkten?

Laut der erschreckenden Fakten wirkt es für uns Verbraucherinnen und Verbraucher total sinnwidrig, dass viele Bio-Lebensmittel in Plastik ummantelt sind, während herkömmliche Produkte unverpackt ausgelegt sind. Gerade Bananen und Gurken besitzen mit ihren Schalen natürlichen Schutz, weshalb eine zusätzliche Verpackung gar nicht von Nöten erscheint. Als Gründe für diese Vorgehensweise werden mehrere Faktoren genannt. Da der Konsum von Bio-Produkten innerhalb der EU drastisch zugenommen hat und viele Konsumierende vermehrt saisonunabhängiges Obst und Gemüse verlangen, werden vermehrt Produkte aus anderen Nicht-EU-Ländern importiert. Für die langen Transportwege sind daher Plastikverpackungen angedacht, um die Frische und das Aussehen garantieren zu können. Dies ist jedoch kein weiterer Grund dafür, die Lebensmittel im Supermarkt in Plastik umschweißt auszulegen. Hier kommt eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2008 ins Spiel.

Laut dieser Verordnung müssen Öko-Produkte eindeutig von nicht biologisch hergestellten Lebensmitteln zu unterscheiden sein. Auf den Etiketten jedes Bio-Produktes stehen - ganz im Sinne der Verbraucher - Codes, welche die jeweilige Öko-Kontrollstelle angeben. Somit kann jede und jeder nachprüfen, ob und inwiefern sein Produkt die gesetzlichen Vorgaben für die Bio-Landwirtschaft und Verarbeitung eingehalten wurde. Mit der Verordnung und den Nachweisen auf den Produkten begann allerdings auch der Plastikmüllwahn im Einzelhandel. Für die Supermarktbetreiber wurde für die Transparenz ihres Sortiments eines wichtig: Bio soll Bio sein und konventionelle Ware sollte nicht im Bio-Regal landen. „Hauptsächlich werden Bioprodukte bei uns verpackt, um den Kunden eine sichere und unverwechselbare Trennung der Bioprodukte von konventionellen Produkten zu garantieren.“[2] Nach diesem Denken werden nun alle Bananen, Paprikas und Gurken in Plastik in unseren Supermärkten eingeschweißt.

Lösung/Alternativen

Auch vermeintliche Lösungen, Obst und Gemüse mit Aufklebern oder Banderolen zu kennzeichnen scheinen nicht sinnvoll zu sein. Zu schnell würden letztere abgehen oder der Klebstoff der Aufkleber könne sich auf die Produkte übertragen. Einzig allein bei Bananen bestehe die Möglichkeit mit einem Laser das Bio-Zeichen auf die Schale zu brennen. Dies ist bei Gurken, Paprika und Co. allerdings nicht möglich. Wer die Plastikverpackungen bei Bio-Produkten vermeiden möchte, sollte beim Bauern um die Ecke, in Bioläden oder auf Wochenmärkten einkaufen gehen. Auch wenn diese nicht bei jedem vorhanden sind gibt es eine Lösung: Verstärkt regionale und saisonale Produkte einkaufen.

Zum Weiterlesen


[1] PlasticsEurope (2016): Plastics – the Facts 2016, als PDF online unter: http://www.plasticseurope.de/Document/plastics---the-facts-2016-15787.aspx?FolID=2

[2] Utopia (2013): Frage an REWE Group, online unter: https://utopia.de/0/gutefragen/fragen/nachhaltigkeit-bioobst-gemuese-in

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